Wie kann der Mensch glücklich sein? Was ist Glück eigentlich? Sicherlich etwas, womit man mehrere Blogeinträge füllen kann. Aber irgendwann muss ich diese Frage ja mal angehen, denn irgendwie verfolgt sie mich. Vor ein paar Wochen habe ich das Buch „Hector auf der Suche nach dem Glück“ gelesen. Und zurzeit recherchiere ich für einen längeren Bericht zum Thema „Frust im Job“. Beides beschäftigt sich mit dem Glücklich-sein, diesem zufriedenen Zustand, indem man sich nichts mehr wünscht. Weil man alles hat. Das Endziel quasi, wenn sich nichts mehr bessern könnte.
Tatsächlich ist das etwas, was die Menschen beschäftigt. Ihr ganzes Leben lang streben sie danach, glücklich zu sein. Und genau das ist der Fehler!
Was ist Glück? Reich sein, eine gute Partnerschaft führen, einen Job haben, der einen erfüllt… Die Liste ist lang. Aber woran werden diese Eigenschaften gemessen? Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen. Ein Problem, denn es wird immer jemanden geben, der reicher ist, einen besseren Job hat, oder vielleicht eine offensichtlich „glücklichere“ Partnerschaft führt. Jedenfalls wird es einem immer so vorkommen. Bei meiner Recherche bin ich auf eine Studie gestoßen, die in etwa folgendes Experiment durchgeführt hat: Angenommen in Welt A verdienst du 5.000 Euro, das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung liegt bei 3.000 Euro. In Welt B liegt das Durschnittseinkommen bei 100.000 Euro, du verdienst 60.000. Die Teilnehmer sollten sich zwischen Welt A und B entscheiden. Und? Sie entschieden sich für Welt A. Es scheint egal zu sein, wie viel man wirklich verdient. So lange es mehr ist als der Rest der Menschheit.
Doch durch dieses ganze Vergleichen, durch dieses ganze irrsinnige Streben nach Glück, passiert genau das Gegenteil: Der Mensch wird immer unglücklicher, weil er verlernt zufrieden zu sein. Weil er sich nicht auf das besinnt, was er hat. Warum scheitern so viele Beziehungen? Weil man sich ja nie sicher sein kann, dass man mit jemand anders vielleicht nicht noch ein kleines bisschen glücklicher wäre. Vielleicht ist der nächste noch einfühlsamer oder sieht besser aus oder er hat das gewisse Etwas und überhaupt: Das kann doch noch nicht alles sein!
Das kann doch noch nicht alles sein… Und wenn doch? Was, wenn der jetztige Zustand schon ganz gut ist? Perfekt wird es nie. Das perfekte Glück gibt es nicht. Vor lauter verkrampften Suchen nach dem perfekten Glück vergisst mancheiner zu leben und zu genießen. Reicht es nicht eigentlich, dass wir leben? Dass wir lachen, weinen… dass wir fühlen?
Die Vergleiche können auch produktiv sein. Streben ist ja nicht nur etwas Schlechtes. Es spornt zu neuen Leistungen an. Genau wie eine bestimmte Zielsetzung. Aber wenn ein Ziel erreicht ist, sollte man das ruhig mal genießen. Wenigstens eine kurze Pause, um zu sehen, was man geschafft hat. Absolut egal, was die anderen machen: Ich bin zufrieden mit mir!
Ja, das Streben nach dem perfekten Glück ist ein Fehler. Weil dabei leicht übersehen wird, worauf es ankommt. Wenn ich 95 Jahre alt bin und dann an meinem Sterbebett denke: Hey, ich war mein ganzes Leben lang frustriert, weil ich immer mehr wollte, immer höher hinaus… Tja, dann hab ich verdammt noch mal was falsch gemacht! Glücklich ist, wer zufrieden ist. Und wenn man mal ganz genau hinschaut, braucht man dafür gar nicht die große Villa vom Chef oder den Supermodelfreund der Kollegin. Man braucht eigentlich nur ein bisschen Zeit, um sich klar zu machen, dass man eins nicht ändern kann: Das Leben hat Höhen und Tiefen. Die Tiefen machen das Leben genauso lebenswert wie die Höhen. Weil genau dieses Privileg uns Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet: Wir fühlen und sind uns dessen bewusst. Jedenfalls, wenn uns oberflächliche Dinge nicht blind dafür machen…